Zuviel Zeit am Bildschirm macht Kinder krank. Sechs Gründe, warum elektronisches Fasten helfen kann.

Kinder und Teenager, die besonders aufgedreht sind und zu Wutanfällen neigen (oder alternativ dazu, depressiv und apathisch sind) werden immer alltäglicher. Auslöser hierfür ist häufig zu viel Zeit am Bildschirm.

Chronisch gereizte Kinder haben oft einen stark erhöhten Arousal-Level. Sie sind aufgedreht aber erschöpft. Ein chronisch hoher Arousal-Level beeinflusst das Gedächtnis und auch die generelle Beziehungsfähigkeit.

Wired and tired – verdrahtet und müde

Kinder mit solchen Symptomen erhalten oft Diagnosen wie ADHS, Depression, oder bipolare Störung. Meist folgt daraufhin eine medikamentöse Einstellung und unterschiedliche Formen der Therapie.

Leider wirken diese Ansätze meist nicht gut und die beginnende Abwärtsspirale setzt sich weiter fort.

Was ist hier los?

Oft setzen Eltern und Therapeuten an der falschen Stelle an.

Das heißt, sie versuchen, etwas zu behandeln, das wie ein Lehrbuchfall einer psychischen Störung aussieht, bedenken jedoch die häufigste Ursache für solche Symptome nicht: elektronische Medien.

Unabhängig von einer tatsächlichen Erkrankung: Experten wie die Kinder Psychiaterin Dr. Victoria Dunckley sind sich einig, dass mehrere Wochen elektronisches Fasten überreizten Kindern gut tut und sich ihr Nervensystem dadurch wieder regulieren kann.

Laut Dr. Dunckley kann konsequent durchgeführtes elektronisches Fasten wahre Wunder bewirken.

Kinder schlafen wieder besser, sind weniger launisch und können sich auch wieder besser konzentrieren.

Bei Teenagern und jungen Erwachsenen ist sogar eine Zunahme des selbstbestimmten Verhaltens zu beobachten – das genaue Gegenteil von Apathie und Hoffnungslosigkeit.

Nach dem elektronischen Fasten können die Eltern neu bestimmen und beobachten wie viel Medienkonsum ihr Kind verträgt, ohne dass die Symptome erneut auftreten.

Weniger Zeit mit elektronischen Medien ist vielleicht nicht die Lösung für alle Probleme, aber häufig das fehlende Glied in der Behandlung von verhaltensauffälligen Kindern.

Aber warum ist elektronisches Fasten eigentlich so effektiv?

Das Gehirn von Kindern reagiert viel empfindlicher auf die Verwendung von elektronischen Medien, als viele Eltern annehmen. Entgegen der landläufigen Meinung ist nur wenig elektronische Stimulation erforderlich, um ein sensibles und sich noch entwickelndes Gehirn aus der Bahn zu werfen. Außerdem glauben viele Eltern fälschlicherweise, dass interaktive Bildschirmzeiten – Internet- oder Social-Media-Nutzung, SMS, E-Mail und Spiele – nicht schädlich sind.

Fakt ist: Die interaktive Bildschirmzeit steht in Verdacht Schlaf-, Stimmungs- und kognitive Probleme zu verursachen.

Hier sechs Gründe warum elektronische Medien Stimmungsschwankungen hervorrufen:

1. Zuviel Zeit am Bildschirm bringt die innere Uhr durcheinander

Da das Licht von Bildschirmgeräten die Tageszeit nachahmt, unterdrückt es Melatonin, ein durch Dunkelheit ausgelöstes Schlafsignal. Schon Minuten der Bildschirmstimulation können die Melatonin-Freisetzung um mehrere Stunden verzögern und die Körperuhr durcheinander bringen.

 

2. Zuviel Zeit am Bildschirm löst Suchtstrukturen aus

Viele Kinder sind von Elektronik so begeistert, dass ihr Gehirn während der Nutzung von elektronischen Medien im Gehirn-Scan genauso aussieht wie das eines Kokainkonsumenten. Aber wenn Belohnungspfade übermäßig genutzt werden, werden sie weniger empfindlich und es ist immer mehr Stimulation erforderlich, um Freude zu empfinden. Dopamin ist auch für die Konzentration und Motivation von entscheidender Bedeutung. Selbst wenn sich die Empfindlichkeit des Dopamins geringfügig ändert, kann dies das Wohlbefinden und die „Funktion“ des Kindes beeinträchtigen.

 

3. Die Bildschirmzeit erzeugt “Licht bei Nacht”

Dieses Licht wurde in zahlreichen Studien mit Depressionen und sogar mit einem erhöhten Selbstmordrisiko in Verbindung gebracht. Tatsächlich zeigen Tierstudien, dass die Exposition gegenüber bildschirmbasiertem Licht vor oder während des Schlafs zu Depressionen führt, selbst wenn das Tier nicht auf den Bildschirm schaut.

 

4. Zuviel Zeit am Bildschirm löst Stressreaktionen aus

Sowohl akuter Stress als auch chronischer Stress führen zu Veränderungen der Gehirnchemie und der Hormone, die die Reizbarkeit erhöhen können.

 

5. Zuviel Zeit am Bildschirm überlastet das sensorische System, stört die Aufmerksamkeit und erschöpft die mentalen Reserven

Experten sagen, dass hinter explosivem und aggressivem Verhalten oftmals ein schlechter Fokus steckt. Wenn die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit Einflüsse aus der Umgebung zu verarbeiten leidet, werden aus kleinen Anforderungen große. Eine Möglichkeit, die erschöpften Reserven vorübergehend zu „steigern“, besteht darin, wütend zu werden, so dass Trotzanfälle, Wutausbrüche und mentale Zusammenbrüche tatsächlich zu einem Bewältigungsmechanismus werden.

6. Zuviel Zeit am Bildschirm sorgt für Bewegungsmangel

Wer viel am Bildschirm sitzt, der macht oft weniger Sport oder andere Unternehmungen im Freien. Untersuchungen haben gezeigt, dass besonderes die Interaktion mit der Natur Stress und Aggression verringern kann.

In unserer digitalen Welt mag es verrückt klingen, elektronische Medien so drastisch einzuschränken. Aber wenn unsere Kinder Probleme haben, tun wir ihnen keinen Gefallen, indem wir hoffen, dass sie ihr eigenes elektronisches Konsum-Limit einschätzen können. Erfahrungsgemäß funktioniert das nicht. Mit einer begrenzten Zeit für elektronische Medien können wir Kindern helfen, ruhiger, stärker und glücklicher zu werden. Ihr Nervensystem ist noch nicht bereit für so viel Stimulation.